Die erste Nachricht über das Archiv des Klosters Marienberg ist beim Chronisten Goswin zu finden. Bei den Auseinandersetzungen mit den Vögten von Matsch hätten diese die Urkunden aus dem Archiv entfernt und solche nicht mehr zurückgegeben, wenn sie meinten, diese könnten gegen sie sprechen. Das Registrum ‘monasterei montis S. Mariae‘ (1360 – 1390) ist kritisch ediert und mit deutscher Übersetzung versehen. Es kann nicht direkt eingesehen werden, weil es im Archiv des Abtes aufbewahrt wird. Registrum Goswin von Marienberg, bearbeitet von Christine Roilo, übersetzt von Raimund von Senoner (Veröffentlichungen des Südtiroler Landesarchivs 5 – Innsbruck 1996, S. 207), Einige der ältesten Urkunden des Archivs sind laut Bericht von der Ermordung des Abtes Hermann von Schönstein am 26. August 1304 für immer verloren gegangen. Eine sehr gute Darstellung über das Marienberg Archiv und die ältesten Urkunden des Klosters enthält das Tiroler Urkundenbuch (hrsg. von der Historischen Kommission des Landesmuseums Ferdinandeum in Innsbruck),  I. Abteilung: Die Urkunden zur Geschichte des deutschen Etschlandes und des Vinschgaus, bearbeitet von Franz Huter, I. Band bis zum Jahre 1200, Innsbruck 1937, s. XXV – XXXII). Das Archiv befand sich zu dieser Zeit offensichtlich in der Sakristei der Marienberger Klosterkirche, bis Abt Matthias Lang (1615 – 1640) um das Jahr 1632 ein feuersicheres Archiv baute. Im Jahr 1418 vernichtete eine Brandkatastrophe im Kloster auch etliche Urkunden. Ebenso litt das Archiv 1525 unter dem Bauernsturm. Vergleicht man den Bestand von heute mit dem im Registrum Goswins und vor 1808, so ist vieles zugrunde gegangen. Über die älteren Urkunden verlangte das Kreisamt Imst 1793 von Abt Placidus Zobel (1782 – 1815) die Führung eines sicheren und geordneten Archivs und dann 1804 Regesten der Urkunden bis zum 16. Jahrhundert, was darauf hinweist, dass auch von Österreich dem Archivbestand Gefahr drohte. Um 1643 hatte Abt Jakob Grafinger (1640-1653) einen ‘schönen Briefkasten in Meran gekauft, in dem sich fortan die Privilegien und Urkunden über den Besitz befanden.

1647 – 1650 wurde dieser Kasten aus Furcht vor dem Feind nach Meran in Sicherheit gebracht. Dieser ‘Briefkasten‘ hatte 44 Schubladen. Mit den Buchstanden A – D sind die vier größten beschriftet, die übrigen mit den Zahlen 1 – 40. Die Kästen 1 – 4 enthielten kaiserliche und landesfürstliche Bestätigungs- und Schutzbriefe sowie päpstliche Bullen und Anweisungen des Konstanzer Konzils. Die Chronik Goswins und die älteren Urbare wurden in einem weiteren Kasten aufbewahrt. Nach der Aufhebung des Kloster durch die bayrische Regierung ordnete diese 1807 die Ordnung des Archivs an, mit der P. Alois Faller und P. Bonifaz Rungg beauftragt wurden. Diese war am 1. Juli 1808 abgeschlossen, weil das raue Klima und der kalte Wind Arbeiten während des Winters im ungeheizten Archiv unmöglich machten.

Am 15. Juli 1808 unterzeichnete der provisorische Administrator das nach Innsbruck eingeschickte Verzeichnis. Dort wurde die Übergabe von 96 Urkunden am 30. August 1808 bestätigt. Nach der Wiederherstellung des Stifts erbat sich Abt Karl Mayr (1816-1855) am 18. September 1817 die Rückgabe aller noch zu findenden Dokumente, die dann am 29. September 1817 erfolgte, allerdings mit Verlusten.

1912 – 1917 wurde die alte Archivordnung von Dr. P. Thomas Wieser aufgelöst. Im neuen Wappenkasten wurden die alten Urkunden (mit kurzen Regesten versehen in Papiertaschen vom Format 28 x 16 cm aufbewahrt. Jede der 27 Laden wurde mit römischen Ziffern versehen, die einzelnen Urkunden mit arabischen. Im sogenannten Siegelkasten (SK) werden die für die Klostergeschichte relevanten Archivalien aufbewahrt und in dessen Schubladen A – C gelagert.


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