Griseldis Theateraufführung im Bibliotheksbau

Die Theatergruppen der Gemeinde Mals spielen gemeinsam „Griseldis“, ein Schauspiel von 1713. Aufführungsort ist der Neubau der Stiftsbibliothek von Marienberg, die nach den Entwürfen des Architekten Werner Tscholl gebaut wird. Janina Janke und Toni Bernhart führen Regie. Die Produktionsleitung liegt in den Händen von Sibille Tschenett und Ludwig Fabi vom Bildungsausschuss Mals.

Wer ist Griseldis?
Gespielt wird die handschriftlich überlieferte Fassung der „Griseldis“ aus dem Jahre 1713, die vor knapp drei Jahren im Zuge der Ordnung des Archivs von Marienberg entdeckt wurde.
Das Märchen der Bauerntochter Griseldis hat in der Weltliteratur eine lange Tradition. Es geht zurück auf die berühmte Novellensammlung „Decamerone“ (um 1350) des italienischen Dichters Giovanni Boccaccio. Im Laufe der Jahrhunderte entstanden in allen Literaturen Europas viele hundert Dramen, Romane und Gedichte, die Griseldis’ Leben und Schicksal thematisieren. Eines dieser Dramen ist die „Griseldis“, die ursprünglich 1713 in Meran aufgeführt wurde und über das dortige Benediktinergymnasium seinen Weg ins Archiv von Marienberg fand.

Griseldis ist die Tochter des Kleinbauern Janicola. Der Markgraf Walter will Griseldis zur Frau und stellt die Bedingung, dass sie ihm immer gehorchen muss. Griseldis stimmt zu und heiratet ihn. Walter und seine ganze Grafschaft sind glücklich über die neue Markgräfin Griseldis, denn sie ist tüchtig, schön und überall beliebt. Bald gebiert Griseldis eine Tochter. Walter befiehlt, dass die Tochter getötet werden muss, weil das erstgeborene Kind ein Sohn sein soll. Griseldis fügt sich ohne Murren. Ein Jahr später gebiert Griseldis einen Sohn. Walter befiehlt, dass auch der Sohn getötet werden muss, weil Griseldis keine adelige Frau, sondern eine Bauerntochter ist. Das Geschehen nimmt seinen Lauf und erfährt am Ende eine überraschende Wendung.

Gemeinschaftsprojekt der Malser Theatergruppen
Insgesamt 24 Darstellerinnen und Darsteller der Malser Theatergruppen stehen auf der Bühne, unterstützt von ebenso vielen Personen hinter der Bühne, die für verschiedene Bereiche wie Kostümschneiderei, Bühnenbau oder Lichtgestaltung zuständig sind. Sibille Tschenett, die Leiterin des Bildungsausschusses Mals, die gemeinsam mit Ludwig Fabi für die Produktionsleitung des Theaterprojekts verantwortlich ist, weiß um die Bedeutung der Zusammenarbeit von Vereinen bei Projekten: „Es ist nicht das erste Mal ist, dass alle Theatergruppen der Gemeinde Mals bei einem kulturellen Ereignis zusammenarbeiten. Schon dreimal (2005, 2008 und 2011) haben die Theatergruppen der Gemeinde Mals unter der Leitung des Bildungsausschusses gemeinsam ein Einakter-Theaterfestival organisiert und 2012 sogar mit der Barockoper „Atalanta“ von G.F. Händel in Mals viele Vinschger Kulturfreunde Opernluft schnuppern lassen. Die gemeinsame Arbeit an einem Projekt fördert die Bildungs- und Kulturarbeit in der Gemeinde und zeigt immer wieder, zu welchen großen Leistungen die Vereine in unseren Dörfern fähig sind“.

Benediktinerstift Marienberg
Der Ort der Aufführung ist der Neubau der Stiftsbibliothek, die kurz vor der Fertigstellung steht. Ab dem Frühjahr 2017 werden die Marienberger Bibliotheksbestände in den Neubau umgesiedelt. Im Moment steht der fast fertige Bibliotheksneubau leer. Ein Theaterbesuch der „Griseldis“ bietet somit die Gelegenheit, die neue Bibliothek im noch leeren Zustand zu erleben, bevor sie 2017 ihrer Zweckbestimmung übergeben wird. Markus Spanier, Abt des Benediktinerstifts Marienberg, lobt das große Engagement der Theatergruppen aus den umliegenden Dörfern: „Ich bin dankbar, dass durch die Aufführungen nicht nur eine wichtige Handschrift aus unserem Archiv für die Öffentlichkeit erlebbar wird, sondern auch neue Gäste durch den Theaterbesuch den Weg in unser Kloster finden. Denn Theaterspiel hat bei uns Benediktinern, wie bei vielen anderen Orden, eine lange Tradition.“

Künstlerisches Konzept
Als Regisseure konnten Toni Bernhart und Janina Janke gewonnen werden. Bernhart lebt und arbeitet als Theaterautor und Literaturwissenschaftler in Stuttgart und Berlin. Janke ist eine international tätige Regisseurin und Künstlerin aus Berlin, die zuletzt in den UN-Hauptquartieren Genf, Wien, Nairobi und New York City ihr Projekt „Unknown Spaces“ zeigte. Bernhart und Janke führten bereits gemeinsam in Südtirol Regie: 2010 inszenierten sie mit der Volksbühne Laas den „Laaser Jedermann“. Der Malser Komponist und Musiker Ernst Thoma hat eigens für die „Griseldis“ die Bühnenmusik geschaffen.

Partner und Förderer
„Griseldis“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Theatergruppen der Gemeinde Mals, des Benediktinerstifts Marienberg und des Bildungsausschusses Mals. Beteiligt sind Volxteattr Oubrwind Mols, Theatergruppe Mals, Dorftheater Schleis, Heimatbühne Burgeis, Rampenlicht Lootsch und die Theatergruppe des Kirchenchors Tartsch.

Finanziell gefördert durch das Amt für Kultur der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol, den Europäischen Forschungsrat im Rahmen des Forschungsprojekts „DramaNet – Early Modern European Drama and the Cultural Net“ der Freien Universität Berlin, die Autonome Region Trentino-Südtirol, Gemeinde Mals und Raiffeisenkasse Obervinschgau. In Zusammenarbeit mit dem Freundeskreis Marienberg, dem Südtiroler Theaterverband sowie dem Institut für Literaturwissenschaft und dem Stuttgart Research Centre for Text Studies der Universität Stuttgart.


Mehr Infos zur Aufführung: hier